Der Tag, an dem ich aufhörte zu kämpfen
- Claudia Minneci

- 1. Juni
- 1 Min. Lesezeit
Warum Heilung nicht mit Perfektion beginnt.

Aus der Reihe: Zurück zu I am
Lange glaubte ich, Heilung würde bedeuten, alles endlich richtig zu machen. Keine Rückfälle mehr. Keine schwachen Momente. Keine Gedanken, die mich zurückziehen. Ich wollte gewinnen. Gegen die Essstörung. Gegen die Kontrolle. Gegen mich selbst.
Doch je mehr ich kämpfte, desto erschöpfter wurde ich.
Jeder vermeintliche Fehler fühlte sich wie ein Beweis an, dass ich noch nicht weit genug war. Jeder Rückschritt nahm mir Hoffnung. Ich lebte in der Vorstellung, Freiheit würde erst beginnen, wenn ich nichts mehr an mir auszusetzen hätte.
Irgendwann wurde mir etwas bewusst: Nicht die Essstörung hielt mich gefangen. Nicht die Kontrolle. Es war der ständige Kampf gegen das, was war. Solange ich gegen mich selbst kämpfte, blieb ich mit genau dem verbunden, wovon ich mich lösen wollte.
Viele Menschen kennen diesen Mechanismus. Wir glauben, Veränderung entstehe durch Druck. Durch Disziplin. Durch noch mehr Anstrengung. Doch Heilung entsteht dort, wo der Kampf leiser wird. Für mich begann sie an dem Tag, an dem ich aufhörte, gegen mich selbst anzutreten.
Wo der Kampf endet, beginnt Freiheit.
Manchmal ist das, was wie Disziplin aussieht, in Wahrheit nur Angst in schönem Kleid.


Kommentare